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Piloten fast bewusstlos: Beinahe-Absturz Köln/Bonn

Grünen-Anfrage nach Beinahe-Absturz

Berlin/Bonn (rf) Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat soeben den Zwischenbericht 5X018/10 veröffentlicht, der dokumentiert, wie es am 19. Dezember 2010 wegen eines technischen Defekts beinahe zu einem Absturz eines aus Wien kommenden Airbus A319-132 mit 149 Menschen in Köln/Bonn gekommen wäre. Den beiden Piloten war unmittelbar vor der Landung durch Dämpfe im Cockpit speiübel geworden, beide konnten nur mit Sauerstoffmasken und kurz vor dem Kontrollverlust stehend, die Maschine unter größten Mühen landen. Sie funkten Mayday. Beide Flugzeugführer mussten nach der Landung ins Krankenhaus, der Kapitän war ein halbes Jahr lang fluguntauglich. Die Passagiere bekamen nichts mit. Die Airline soll versucht haben, den Vorfall herunterzuspielen: Erst ein Jahr nach dem Vorfall wurde der Unfall untersucht. Markus Tressel, tourismuspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, stellte kritische Fragen: Giftige Dämpfe, die zum teil aus den Triebwerken stammen, haben bereits mehrfach zu gefährlichen Situationen geführt.

„Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass kontaminierte Kabinenluft erhebliche Gefahren mit sich bringt, dann liegen diese jetzt auf dem Tisch. Die Beschreibung der Piloten ist dramatisch. Es macht deutlich, dass es sich nicht nur um eine Gefahr für Passagiere, sondern auch für die Flugsicherheit handelt“, so Tressel. Die Bundesregierung bestätigte schon im Juni, dass dieses kein Einzelfall ist. Allein 67 Fälle mit Öldämpfen worden in den letzten drei Jahren amtlich erfasst. Die BFU hat davon wiederrum neun als schwere Störungen klassifiziert, also Fälle bei denen Personal wegen der Kabinenluft ausgefallen ist oder Piloten Sauerstoffmasken ziehen mussten. „Die Dunkelziffer der Vorfälle liegt aber erheblich höher“, weiß Tressel. „Das liegt mitunter am Meldeverfahren. Einige Fälle werden erst auf Druck gemeldet, wenn beispielsweise Medien darüber berichten oder die Behörde nachfragt.“

Im hier vorliegenden Fall habe die Fluggesellschaft Germanwings noch zwei Jahre nach dem Vorfall versucht, die Situation zu verharmlosen und Dokumente zu verheimlichen. Die Vereinigung Cockpit berichtete bei einer Veranstaltung des Umweltbundesamtes von 360 registrierten fume-events einer einzelnen Airline in den vergangenen vier Jahren. Die Flotte dieser Airline sei allerdings mit 20 Flugzeugen nicht besonders groß. Eine andere Airline habe alleine im Jahr 2011 60 Vorfälle gemeldet.

Der Grund für solche Zwischenfälle ist unter anderem die technische Konstruktion vieler Flugzeuge, die die „Frischluft“ für die Kabine aus den Triebwerken abzapft. Die erhitzten Triebwerköle können so ungefiltert in die Atemluft gelangen und kurzfristig für Kopfschmerzen, Übelkeit, Reizungen von Atemwegen oder Schleimhäuten sorgen, aber auch Taubheitsgefühle in den Fingern hervorrufen. Gase, wie beispielsweise Ozon erhöhen das Krebsrisiko und andere Substanzen rufen im schlimmsten Fall Nervenerkrankungen hervor.

Tressel fordert die Gesundheitsbelastungen zu reduzieren und „nicht nur die aus den Öldämpfen, sondern auch die aus Ozon und Pestiziden, die in Flugzeugen eingesetzt werden. Wir brauchen endlich neurotoxisch unbedenkliche Jet-Öle.“ Dafür müsse man Forschung betreiben und auch den Einsatz in Testphasen erleichtern. Tressel: „Wir brauchen auch effektive Warnanlagen, die die Nase der Crew als Schadstoffdetektor ersetzen.“ Effektive Zapfluftfiltersysteme für Organophosphate und andere bedenkliche Stoffe seien technisch ebenfalls erforderlich, damit die schlimmsten Stoffe gar nicht erst in die Kabine kommen können. Doch er betont auch, die Bedeutung der Industrie: „Wir müssen langfristig die Luft für die Kabinen woanders als in den Triebwerken abzapfen. Da gibt es klügere Systeme, wie es BOEING beim Dreamliner bereits vor macht.“

Die Bundesregierung solle ihre Blockadehaltung endlich aufgeben, so Tressel. „Wir brauchen durchsetzungsfähige Behörden, die mit einem klaren Rechtsrahmen dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden. Vorschriften für die Luftqualität an Bord von Flugzeugen sind unzureichend.“ Bis zu 60 Grad Celsius sind derzeit erlaubt.

Dokumente:

Zwischenbericht der Bundestelle für Flugunfalluntersuchung zum Germanwings-Beinahe-Absturz, BFU 5X018/10 vom 27. September 2012.

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Tressel, Nicole Maisch, Stephan Kühn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/9676 – Gefährdung von Passagieren und Flugpersonal durch kontaminierte Kabinenluft im Luftverkehr [125 KB] .

Antrag von Bündnis 90/Die Grünen: "Kontaminierte Kabinenluft in Flugzeugen unterbinden" [168 KB] .


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